Wo in Montevideo am meisten gebaut wird (2026): Gebiete und Risiken
Historischer Stand (Juni 2026 · v1.3). Erfahren Sie, in welchen Gebieten Montevideos 2026 am meisten neu gebaut wird: Tabelle nach Entwicklungsachse, Gründe für die Bautätigkeit und Möglichkeiten, das Risiko eines Überangebots zu vermeiden.
INGAR · · 17 Min. Lesezeit

In 30 Sekunden
2025 wurden landesweit 326 Projekte im uruguayischen Förderprogramm Vivienda Promovida (VP) eingereicht, ein absoluter Rekord; die ANV zählt heute 2.196 seit Einführung des Programms eingereichte Projekte. Der größte Teil dieser Aktivität entfällt auf Montevideo. Innerhalb Montevideos vereint Cordón 26,4% der gemeldeten VP-Verkäufe auf sich. Tres Cruces (9,4%), Centro (7,0%), Barrio Sur (5,5%) und Palermo (5,2%) vervollständigen laut ANV die Top 5 (Bericht Nr. 50, Mai 2026). Viel zu bauen bedeutet jedoch nicht, gut zu bauen: Cordón weist bereits eines der größten Überangebote der Stadt auf, und Tres Cruces folgt dicht dahinter. Das Überangebot an Studios ist real und messbar.
In diesem Artikel finden Sie belastbare Daten dazu, wo gebaut wird, warum dort gebaut wird, welche Entwicklungsachsen sich der Sättigung nähern und wo die Entwicklung gerade erst beginnt. Wenn Sie den Kauf eines Neubaus oder eine Investition in ein Projekt in einer frühen Bauphase erwägen, erhalten Sie hier den nötigen Überblick, bevor Sie unterschreiben.
Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie die Grundlagen kennen:
- Bericht zum Immobilienmarkt in Montevideo
- Kauf während der Bauphase: Checkliste und Vertragsklauseln
- Trends im Wohnungsbau 2026
1) Neubautätigkeit in Montevideo: Wo sie sich konzentriert
Die Neubautätigkeit ist in Montevideo ungleich verteilt. In manchen Gebieten können Sie keine drei Häuserblocks weit gehen, ohne auf einen Baukran zu stoßen, während in anderen das letzte größere Bauvorhaben aus den 90er Jahren stammt. Diese Unterschiede sind kein Zufall: Sie ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Bauvorschriften, steuerlichen Vergünstigungen, Grundstücksverfügbarkeit und Nachfrage.
Die Daten zu VP-Projekten zeigen eine klare Konzentration. Sie sind die verlässlichste Quelle, weil jedes Projekt beim MEF registriert wird:
| Gebiet | % der gemeldeten VP-Verkäufe (ANV, Datenstand 01/05/2026) | Umfang des angesammelten Angebots | Vorherrschender Wohnungstyp | Marktsignal |
|---|---|---|---|---|
| Cordón | 26,4% | Sehr hoch | Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer | Fortgeschrittene Sättigung |
| Tres Cruces | 9,4% | Hoch | Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer | Starker Wettbewerb |
| Centro | 7,0% | Hoch | Mix aus Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer, dazu einige mit 2 Schlafzimmern | Anhaltendes Wachstum |
| Barrio Sur | 5,5% | Mittel | Mix aus Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer, einige im Premiumsegment | In Entwicklung |
| Aguada | Im Text des ANV-Berichts 50 nicht einzeln ausgewiesen | Mittel bis niedrig | Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer | Aufstrebend mit Potenzial |
| La Blanqueada | 4,7% | Sehr hoch | Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer | Fortgeschrittene Sättigung |
| Pocitos / Buceo / Puerto | ~4% | Hoch (über längere Zeit aufgebauter Bestand) | Wohnungen mit 2/3 Schlafzimmern, Premiumsegment | Wenige VP-Neubauten, großes Bestandsangebot |
| Goes / Reducto | ~3% | Niedrig | Gemischt, mehr Wohnungen mit 2 Schlafzimmern als im VP-Durchschnitt | Neues Entwicklungsgebiet |
Ein Befund fällt sofort auf: Die Gebiete mit der meisten Neubautätigkeit sind nicht die teuersten. Es sind jene, die noch erschwingliche Grundstücke mit VP-Vergünstigungen und guter Verkehrsanbindung verbinden: Laut Índice INGAR (Juni 2026) liegt der Medianpreis je m² für Wohnungen in Cordón bei USD 2.857, gegenüber USD 3.546 in Pocitos. In Pocitos und Buceo gibt es ein großes inseriertes Angebot, aber vergleichsweise wenige Neubauten, weil verfügbare Grundstücke knapp und teuer sind. Das begrenzt die Wirtschaftlichkeit der Projekte.
2) Warum gerade dort gebaut wird
Die naheliegende Frage lautet: Wenn Cordón bereits ein enormes Überangebot hat, warum wird dort weitergebaut? Die Antwort hat mehrere Ebenen.
Steuerliche Vergünstigungen durch Vivienda Promovida
Das VP-Programm (Gesetz 18.795) bietet Befreiungen von der IVA beim Bau, von der IRPF auf Mieteinkünfte für 10 Jahre (vollständig oder teilweise, je nach Gebiet und Mietgarantie) sowie von der Vermögensteuer Impuesto al Patrimonio. Für den Projektentwickler kann das eine Kostenersparnis von 20-25% bedeuten. Das Problem ist, dass die Vergünstigungen in vom MVOT festgelegten Gebieten gelten und diese Gebiete mit der zentralen Entwicklungsachse Montevideos zusammenfallen: genau dort, wo bereits am meisten gebaut wird.
Das Ergebnis: Die Regelungen verstärken die Konzentration, statt die Bautätigkeit breiter zu verteilen.
Grundstücksverfügbarkeit
Cordón, Tres Cruces und La Blanqueada verfügen über etwas, das Pocitos fehlt: Grundstücke mit niedrigen Gebäuden (Häuser, Werkstätten, Lagerhallen), die abgerissen und durch Wohnhochhäuser mit 8-12 Geschossen ersetzt werden können. An der Küste sind verfügbare Grundstücke äußerst knapp, mit Gebäuden bebaut, die nicht abgerissen werden, oder unterliegen Höhenbeschränkungen.
Gebietsausweisung und zulässige Gebäudehöhen
Die Vorschriften der Intendencia de Montevideo legen je nach Gebiet maximale Gebäudehöhen, Abstände zu Grundstücksgrenzen und zulässige Anteile der überbauten Grundstücksfläche (FOS) fest. Entlang der Straßen 18 de Julio, 8 de Octubre und Bulevar Artigas sind größere Gebäudehöhen zulässig, was diese Achsen für größere Bauprojekte attraktiv macht. An diesen Hauptverkehrsstraßen erlauben die Vorschriften Bebauungsdichten, die drei Häuserblocks weiter im Viertel unmöglich wären.
Tatsächliche Nachfrage (mit Einschränkungen)
In Cordón und La Blanqueada gibt es eine tatsächliche Nachfrage: von Studierenden, jungen Berufstätigen und Alleinlebenden, die die Nähe zur Universität, zu Krankenhäusern und Büros suchen. Doch „tatsächliche Nachfrage“ bedeutet nicht „unbegrenzte Nachfrage“. Die Frage ist nicht, ob es Nachfrage gibt, sondern ob das Angebot sie bereits übersteigt.
3) Die drei Achsen, die die Neubautätigkeit prägen
Wenn Sie auf einer Karte von Montevideo die VP-Projekte markieren, zeichnen sich drei klare Linien ab. Das ist kein Zufall: Es sind die historisch gewachsenen Verkehrsachsen der Stadt.
Achse 18 de Julio (mit Fortsetzung entlang der 8 de Octubre)
Die Hauptachse beginnt an der Plaza Independencia (Centro), führt durch Cordón nach Tres Cruces und setzt sich als 8 de Octubre in Richtung La Blanqueada, Unión und darüber hinaus fort. Diese Achse weist die höchste Dichte an VP-Projekten im Land auf. Die Gründe sind einfach: ein umfangreiches öffentliches Verkehrsangebot (alle Linien führen hier entlang), fußläufig erreichbare Dienstleistungen und Bauvorschriften, die größere Gebäudehöhen erlauben.
Das Problem ist, dass hier auch der stärkste Wettbewerb herrscht. Ein neues Studio in Cordón an der 18 de Julio konkurriert mit 50 weiteren neuen Studios im selben oder im nächsten Häuserblock. Das setzt die Preise unter Druck und verlängert die Vermarktungszeiten.
Achse Bulevar Artigas
Die zweite Achse verläuft von Norden nach Süden durch Tres Cruces und Parque Batlle und verbindet diese Gebiete mit der Küste. Am Bulevar Artigas sind großzügige Gebäudehöhen zulässig, zudem ist die Verkehrsanbindung gut. Die Neubauten liegen hier tendenziell eine Stufe über dem reinen Studiosegment: mehr Wohnungen mit 1 Schlafzimmer und 2 Schlafzimmern sowie etwas mehr Wohnfläche.
Achse Rambla / Küste
An der Küste (Pocitos, Buceo, Punta Carretas, Puerto del Buceo) entstehen nur wenige VP-Neubauten, weil Grundstücke knapp sind und die Baukosten stark steigen. Die vorhandenen Projekte gehören zum Premiumsegment: Wohnungen mit 2 und 3 Schlafzimmern sowie Gemeinschaftseinrichtungen für Käufer, die den Quadratmeterpreis weniger genau unter die Lupe nehmen. Hier liegt das Risiko nicht im Überangebot, sondern im hohen Einstiegspreis und in hohen Gemeinschaftskosten.
Wie sich Gemeinschaftseinrichtungen Monat für Monat auf Ihre Ausgaben auswirken, erfahren Sie hier:
4) Das Problem mit den Studios: 61% des VP-Angebots sind Studios oder Wohnungen mit 1 Schlafzimmer
Dies ist der unbequemste Befund auf Uruguays Neubaumarkt: 61% der VP-Wohneinheiten sind Studios oder Wohnungen mit 1 Schlafzimmer. Der Grund ist rein wirtschaftlich. Aus Sicht des Projektentwicklers bietet ein Studio mit 30 m² und VP-Vergünstigungen einen niedrigen Verkaufspreis (USD 80.000-120.000), der Größe entsprechende Baukosten und einen Käufer beziehungsweise Investor, der zum Einstieg bereit ist. Multipliziert man das mit 40 Einheiten in einem Gebäude, rechnet sich das Projekt.
Auf der Nachfrageseite benötigen die Menschen zum Wohnen (und nicht als Kapitalanlage) jedoch tatsächlich 2 Schlafzimmer. Ein junges Paar, eine Person mit Kind, ein Berufstätiger im Homeoffice: Sie alle brauchen mehr als 30 m². Das Angebot an VP-Wohnungen mit 2 Schlafzimmern ist jedoch anteilig kleiner.
Was entsteht dadurch? Eine Diskrepanz zwischen Angebot und tatsächlicher Nachfrage:
- Studios: massenhaftes Angebot, Nachfrage überwiegend von Kapitalanlegern (zur Vermietung). Sinkt die Mietrendite, lässt der Zustrom von Investoren nach, und die Studios finden keine Käufer.
- 1 Schlafzimmer: ein Zwischensegment. Für Alleinlebende geeignet, für zwei Personen jedoch klein. Es konkurriert im unteren Segment mit großen Studios und im oberen mit kleinen Wohnungen mit 2 Schlafzimmern.
- 2 Schlafzimmer: tatsächliche Nachfrage zum Wohnen, aber begrenztes VP-Angebot. Die verfügbaren Wohnungen werden schneller verkauft oder vermietet und halten ihr Preisniveau.
Wer heute als Kapitalanleger ein Studio in Cordón kauft, trifft damit nicht zwangsläufig eine schlechte Entscheidung. Er muss jedoch wissen, dass er im wettbewerbsintensivsten Segment des wettbewerbsintensivsten Gebiets kauft. Das erfordert einen gut durchdachten Kauf: einen guten Preis, eine gute Lage innerhalb des Gebiets und eine realistische Renditeanalyse.
5) Die Expansion nach Canelones: Ciudad de la Costa als Ausweichmarkt
Ein Befund, der bei einem ausschließlichen Blick auf Montevideo verborgen bleibt: Der Anteil von Canelones an den VP-Projekten stieg von 17% auf fast 28%. Und der weitaus größte Teil dieser Expansion entfällt auf Ciudad de la Costa.
Warum? Weil die Projektentwickler dort gefunden haben, was in Montevideo nicht mehr verfügbar ist: große, günstige Grundstücke mit Vorschriften, die eine Bebauung erlauben, und eine wachsende Nachfrage junger Familien, denen Platz und Grün wichtiger sind als die Nähe zum Centro.
Ciudad de la Costa bietet ein anderes Profil als die zentrale Entwicklungsachse Montevideos:
- Größere Wohneinheiten (mehr Wohnungen mit 2 und 3 Schlafzimmern, weniger Studios)
- Niedrigere Quadratmeterpreise
- Zielgruppe: Familien mit Auto, die vollständig oder teilweise im Homeoffice arbeiten
- Weniger Wettbewerb durch bestehende Immobilienangebote
Das Risiko ist hier ein anderes: die Abhängigkeit vom Auto (der öffentliche Verkehr ist begrenzt), eine noch im Aufbau befindliche Versorgungsstruktur und die offene Frage, was mit der Nachfrage geschieht, wenn sich der Trend zum Homeoffice umkehrt.
Die Entwicklung ist jedoch real und anhaltend. Canelones hat sich von einem Randstandort für VP-Projekte zu einem Gebiet entwickelt, auf das fast ein Drittel der Gesamtzahl entfällt. Das sagt einiges über die Grenzen des Modells „alles in Cordón“ aus.
6) Überangebot: Wie es sich mit tatsächlichen Daten messen lässt
Das Wort „Überangebot“ wird häufig verwendet, doch selten wird es gemessen. Hier finden Sie einen konkreten Rahmen für die Beurteilung.
Indikator 1: veröffentlichte Angebote im Verhältnis zu Transaktionen
Wenn in einem Gebiet sehr viele Immobilien angeboten werden (Cordón), die monatlichen Transaktionen aber nur einen kleinen Bruchteil dieses Volumens ausmachen, besteht ein Überangebot an verfügbaren Immobilien. Das bedeutet nicht, dass niemand kauft: Es bedeutet, dass sich die Verkaufsdauer verlängert und dadurch Druck auf die Preise entsteht.
Indikator 2: neue Projekte zusätzlich zum bestehenden Angebot
Wenn in einem Gebiet bereits Tausende Wohneinheiten angeboten werden und laufend neue Projekte hinzukommen, konkurriert jedes neue Projekt mit dem vorherigen. In Cordón kommen jedes Quartal Projekte hinzu, die das Marktangebot um Hunderte Wohneinheiten erweitern. Nimmt die Nachfrage all diese Einheiten auf? Die Vermarktungszeiten deuten darauf hin, dass dies nicht im Tempo des Angebotszuwachses geschieht.
Indikator 3: Rabatte und besonders offensive Finanzierungsangebote
Wenn Projektentwickler Rabatte von 5-10% für einen „schnellen Abschluss“, eine direkte zinsfreie Finanzierung oder kostenlose Elektrogeräte und Möbel anbieten, ist das ein Zeichen dafür, dass der Markt das Angebot zum Listenpreis nicht aufnimmt. Bei einigen Projekten in Cordón und La Blanqueada ist dies bereits zu beobachten.
Indikator 4: sinkende Mietrendite
Wenn das Mietangebot schneller wächst als die Nachfrage der Mieter, steigen die Mieten nicht (oder sinken), und die Rendite des Kapitalanlegers geht zurück. Ein Studio, das vor drei Jahren eine Bruttorendite von 6% erzielte, kann heute bei 4,5% liegen, wenn die Miete stagnierte, der Kaufpreis aber gestiegen ist. Heute liegt die mediane Bruttorendite von Wohnungen in Cordón laut Índice INGAR (Juni 2026) bei 5,9 % (geschätzte Nettorendite: 3,8 %).
| Gebiet | Warnstufe für ein Überangebot | Begründung |
|---|---|---|
| Cordón | Hoch | 26,4% der gemeldeten VP-Verkäufe, erkennbare Rabatte |
| La Blanqueada | Hoch | Viele Neubauten kommen auf den Markt |
| Tres Cruces | Mittel bis hoch | Hohe Konzentration von VP-Projekten, aber bessere Aufnahme durch den Markt aufgrund der Lage |
| Centro | Mittel | Großes Bestandsangebot, aber Nutzungsumwandlung (Büro → Wohnung) |
| Barrio Sur | Mittel bis niedrig | Jüngere Entwicklung, weniger angesammeltes Angebot |
| Aguada | Niedrig | Bisher wenige Projekte, Wertsteigerungspotenzial |
| Goes / Reducto | Niedrig | Frühe Entwicklungsphase, wenig Wettbewerb, erschwingliche Preise |
| Ciudad de la Costa | Mittel | Rasches Wachstum, aber mit anderer Nachfrage (Familien) |
7) Aufstrebende Gebiete: Wo Chancen liegen könnten
Wenn Ihre Anlagestrategie lautet: „Kaufen Sie dort, wo künftig gebaut wird, und nicht dort, wo bereits zu viel gebaut wurde“, lohnt sich ein Blick auf drei Gebiete.
Goes
Goes ist ein Stadtviertel, das sich seit Jahren langsam wandelt. Es hat eine gemischte Bebauung (Häuser, Geschäfte, einzelne niedrige Gebäude), eine gute Verkehrsanbindung (es liegt an der 8 de Octubre und in der Nähe des Bulevar Artigas) und noch erschwingliche Grundstückspreise: Der Medianpreis für Grundstücke in Goes liegt laut Índice INGAR (Juni 2026) bei USD 774/m², gegenüber USD 1.357/m² in Cordón. Die ersten VP-Projekte entstehen bereits, doch die Dichte liegt noch weit unter der von Cordón.
Anzeichen einer Gentrifizierung sind vorhanden: Es entstehen Bars, Kulturorte und gastronomische Angebote, die es zuvor nicht gab. Das Geschäftsleben erneuert sich. Das deutet häufig auf eine bevorstehende Veränderung der Wohnbevölkerung hin.
Das Risiko: In Teilen von Goes besteht weiterhin ein Gefühl mangelnder Sicherheit. Das begrenzt die Geschwindigkeit des Wandels. Wenn der Trend jedoch anhält (und der Preisdruck in Cordón die Nachfrage nach außen drängt), könnte Goes in den nächsten 5 Jahren zu den Gebieten mit der höchsten Wertsteigerung gehören.
Reducto und Brazo Oriental
Diese Viertel grenzen an Goes und an La Blanqueada/Tres Cruces. Sie haben den Vorteil, unmittelbar neben etablierten Gebieten zu liegen, dabei aber deutlich niedrigere Grundstückspreise aufzuweisen. Erste Aktivitäten von Projektentwicklern sind bereits sichtbar: Grundstückskäufe und Machbarkeitsanfragen bei der Intendencia.
Das typische Muster in Montevideo ist eine ringförmige Ausbreitung der Neubautätigkeit vom Zentrum aus: zuerst Cordón, dann Tres Cruces, anschließend La Blanqueada, und jetzt erreicht sie Goes, Reducto und Brazo Oriental. Wer dies als Kapitalanleger vor 10 Jahren in Cordón erkannt hat, konnte von der Wertsteigerung profitieren. Die Frage ist, ob sich dasselbe Muster weiter nördlich wiederholt.
Aguada
Aguada hat eine besonders günstige geografische Lage: zwischen Centro, Cordón und dem Hafen, mit direktem Zugang zur Rambla. Institutionelle Gebäude (Torre de las Telecomunicaciones, Regierungsgebäude) sorgen für einen Zustrom von Menschen, den andere Randviertel nicht haben.
Die Zahl der VP-Projekte, die nach Aguada kommen, ist noch gering (rund 5% der Gesamtzahl). Das bedeutet, dass sich dort kein vergleichbar großes Angebot wie in Cordón angesammelt hat. Bestätigt sich der Trend, hat ein früher Käufer weniger Konkurrenz, wenn er später verkaufen oder vermieten möchte.
8) Wie Neubauten bestehende Immobilien beeinflussen
Neubauten entstehen nicht im luftleeren Raum. Jedes neue Gebäude verändert das umliegende Viertel, im Guten wie im Schlechten.
Positiver Effekt: städtische Erneuerung
Wenn in einem Viertel neu gebaut wird, verbessern sich die Gehwege (der Projektentwickler muss die Vorschriften erfüllen), das Geschäftsangebot erneuert sich (die neuen Bewohner bringen Kaufkraft mit), und die allgemeine Wahrnehmung des Viertels verbessert sich. Das kann den Wert bestehender Immobilien in der Nähe erhöhen, auch den älterer Immobilien.
Negativer Effekt: direkter Wettbewerb
Eine Wohnung mit 2 Schlafzimmern aus den 80er Jahren verliert an Attraktivität, wenn nebenan ein Neubau mit Fitnessraum, Coworking-Bereich und Balkon mit Grillplatz eröffnet wird. Käufer oder Mieter, die sich für die Bestandswohnung hätten entscheiden können, vergleichen sie nun mit dem Neubau, und der Preis der Bestandswohnung muss angepasst werden. In Gebieten mit hoher Neubautätigkeit können bestehende Gebäude im Vergleich zu Neubauten an Wert verlieren.
Gemischter Effekt: Verdichtung
Mehr Gebäude = mehr Menschen = mehr Verkehr, weniger Parkplätze und eine stärkere Belastung der Infrastruktur (Abwasserentsorgung, Stromversorgung). Das kann Widerstand in der Nachbarschaft und tatsächliche Probleme im Zusammenleben auslösen. Cordón erlebt dies bereits: Straßen, die nicht für die heutige Bevölkerungsdichte ausgelegt wurden.
Zur Vertiefung:
9) Worauf Sie vor dem Neubaukauf in einem Gebiet mit hoher Bautätigkeit achten sollten
Wenn Sie sich bereits für den Kauf in einem Gebiet mit hoher Neubautätigkeit entschieden haben, sollten Sie folgende Prüfkriterien anwenden:
a) Zählen Sie die Projekte im Umkreis von 5 Häuserblocks
Wenn Sie in einem Umkreis von 5 Häuserblocks mehr als 3 neue Projekte in der Verkaufs- oder Bauphase finden, befinden Sie sich in einem gesättigten Gebiet. Das schließt einen Kauf dort nicht automatisch aus, aber Sie müssen wissen, dass Ihre Wohnung beim Verkauf oder bei der Vermietung mit Dutzenden ähnlichen Einheiten konkurrieren wird.
b) Vergleichen Sie den Preis/m² mit benachbarten Projekten
In einem gesättigten Gebiet sollte der Preis den Wettbewerb widerspiegeln. Verlangt ein Projekt 15% mehr als der Gebietsdurchschnitt, ohne einen klaren Mehrwert zu bieten (bessere Lage, bessere Ausführung, bessere Gemeinschaftseinrichtungen), ist es wahrscheinlich überbewertet. Nutzen Sie tatsächliche Vergleichsobjekte und nicht die Preisliste des Projektentwicklers.
c) Fragen Sie, wie viele Einheiten bereits verkauft wurden
Ein Projekt, bei dem 18 Monate nach der Markteinführung 30% verkauft sind, hat ein Nachfrageproblem. Ein Projekt, bei dem bereits auf Grundlage der Pläne 80% verkauft wurden, stößt auf tatsächliche Nachfrage. Der Verkaufsanteil ist der beste Indikator dafür, ob der Markt das Projekt annimmt.
d) Nehmen Sie den Wohnungstyp genau unter die Lupe
Ein Studio in Cordón konkurriert mit Tausenden anderen. Eine Wohnung mit 2 Schlafzimmern, Balkon und Grillplatz hat im selben Gebiet weniger Konkurrenz. Innerhalb desselben Gebiets bestimmt der Wohnungstyp, wie stark Ihr künftiger Wettbewerb ausfällt.
e) Bewerten Sie die Rendite anhand aktueller Zahlen statt Prognosen
Der Projektentwickler wird Ihnen eine Bruttorendite von 6-7% nennen. Rechnen Sie selbst mit den tatsächlichen Mieten vergleichbarer Wohnungen im Gebiet und ziehen Sie Leerstand (mindestens 1 Monat pro Jahr, in dem Sie die Gemeinschaftskosten tragen), Steuern und Instandhaltung ab. Die tatsächliche Nettorendite liegt häufig 2-3 Prozentpunkte unter dem genannten Wert.
10) Der Gesamtblick: Wo heute gebaut wird, zeigt, wohin sich die Preise bewegen
Die Daten zeichnen ein recht klares Bild:
- Die zentrale Entwicklungsachse (Cordón-Tres Cruces-La Blanqueada) hat einen hohen Entwicklungsstand erreicht. Es gibt weiterhin Nachfrage, doch das Angebot hat sie eingeholt und in einigen Segmenten übertroffen. Die künftigen Renditen werden niedriger ausfallen als die vergangenen. Das Gebiet eignet sich durchaus für einen Kauf, aber die Kaufbedingungen und der Wohnungstyp müssen stimmen.
- An der Küste (Pocitos, Buceo) gibt es wenige VP-Neubauten, aber ein großes Bestandsangebot. Hier gelten andere Bedingungen: weniger Konkurrenz durch neue Projekte, aber hohe Einstiegspreise und Gemeinschaftskosten, die erheblich ausfallen können.
- Die aufstrebenden Gebiete (Goes, Aguada, Reducto, Brazo Oriental) befinden sich in der Entwicklungsphase, in der Cordón vor 8-10 Jahren war. Weniger verfügbare Immobilien, weniger Konkurrenz, niedrigere Preise, aber auch größere Unsicherheit über den zeitlichen Verlauf. Wer früh kauft, profitiert von der Wertsteigerung, muss aber die Übergangsphase des Viertels aushalten können.
- Ciudad de la Costa nimmt die Nachfrage nach mehr Platz auf, die Montevideo nicht erfüllen kann. Es ist ein anderer Markt mit anderen Regeln, doch er wächst schnell und macht bereits fast ein Drittel der VP-Projekte aus.
- Das Problem mit den Studios ist strukturell. Solange 61% des VP-Angebots aus Studios und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer bestehen, wird in diesem Segment Wettbewerbsdruck herrschen. Kapitalanleger, die ihr Kaufbudget auf eine gut gelegene Wohnung mit 2 Schlafzimmern ausweiten können, haben mittelfristig wahrscheinlich bessere Aussichten.
Die Schlussfolgerung lautet nicht, dass Sie keine Neubauten kaufen sollten. Vielmehr sollten Sie auf Grundlage von Informationen kaufen und nicht anhand des Prospekts des Projektentwicklers. Das Gebiet ist wichtig, doch der Wohnungstyp ist mindestens ebenso wichtig. Und die jeweilige Phase im Entwicklungszyklus eines Gebiets entscheidet darüber, ob Sie eine Chance erwerben oder sich vor allem Konkurrenz einkaufen.
Quellen
- Ministerio de Economía y Finanzas - Register der VP-Projekte: www.gub.uy/ministerio-economia-finanzas
- Intendencia de Montevideo - Bauvorschriften und Gebietsausweisung: montevideo.gub.uy
- Agencia Nacional de Vivienda - Gesetz 18.795 und Durchführungsverordnung: www.anv.gub.uy
- INE - Baugenehmigungen und Baustatistiken: www.ine.gub.uy
- Catálogo de Datos Abiertos: catalogodatos.gub.uy
Möchten Sie auf Grundlage von Daten statt nach Bauchgefühl investieren? Erfahren Sie mehr über das Investieren in Uruguay, lassen Sie eine Immobilie online bewerten oder schreiben Sie uns per WhatsApp.
Verwandte Artikel
- Gebiete mit der höchsten Wertsteigerung im letzten Jahr (Montevideo): Methodik, Ranking und Einflussfaktoren
- Auswirkungen von Neubauten auf traditionelle Stadtviertel (2026): Risiken und Chancen
- In Uruguay in einer frühen Bauphase investieren (2026): Vorteile, Vertragsrisiken und Checkliste zur Prüfung des Projektentwicklers
- Mietrenditen in Montevideo nach Gebiet
- Wie Sie beurteilen, ob der Preis einer Immobilie angemessen ist
Auch interessant

Kauf in einer frühen Bauphase in Punta del Este: Was Sie vor der Unterschrift prüfen sollten
Kauf in einer frühen Bauphase in Punta del Este: Reservierung, Fideicomiso, Baugenehmigung, Preisanpassungen und Risiken. Checkliste mit offiziellen Quellen für die Prüfung vor der Unterschrift.

BPS bei Bauarbeiten in Uruguay (2026): Beiträge, Anmeldung und Prüfung
Leitfaden 2026 zu BPS bei Bauarbeiten in Uruguay: Beiträge, Anmeldung, Regelungen, Rechner, Bescheinigungen und Prüfungen vor dem Bauen, Kaufen oder Verkaufen.

Bautrends in Uruguay 2026: Was Käufer suchen
Neubautrends 2026 in Uruguay: Welche Merkmale bei der Kaufentscheidung besonders zählen – Wohnkomfort, Hausgeld und Grundriss – und wie Sie diese vor einer Reservierung prüfen.
