Geförderter Wohnungsbau in Uruguay 2026: Steuervorteile

Historischer Stand (Juni 2026 · v1.3). Vivienda promovida (Gesetz 18.795): Wie die Steuervorteile in Uruguay funktionieren, welche Bedingungen gelten und welche Fragen Sie vor einer Investition 2026 klären sollten.

INGAR · · 17 Min. Lesezeit

Geförderter Wohnungsbau in Uruguay 2026: Steuervorteile

Geförderter Wohnungsbau: Was dahintersteckt, welche Vorteile Sie haben und was Ihnen möglicherweise verschwiegen wird

Das Gesetz 18.795 verändert den Immobilienmarkt Uruguays seit mehr als einem Jahrzehnt. Mehr als 2.196 eingereichte Projekte, 28.200 fertiggestellte Wohnungen und USD 3.000 Millionen mobilisierte Privatinvestitionen. Doch hinter den Marketingzahlen stecken Feinheiten, die Sie verstehen sollten, bevor Sie etwas unterschreiben.

In diesem Leitfaden erklären wir Ihnen die gesamte Regelung: Welche Steuervorteile gelten, für wie lange, welche Voraussetzungen bestehen, welche Debatte 2026 ansteht und vor allem, welche Fragen Sie sich stellen sollten, bevor Sie in Uruguay investieren oder eine Immobilie kaufen. Klar und direkt.

Wenn Sie Alternativen vergleichen, empfehlen wir Ihnen auch unsere Beiträge über den Kauf in einer frühen Bauphase im Vergleich zum Kauf einer fertiggestellten Immobilie, die Kosten beim Immobilienkauf und Hypothekendarlehen in Uruguay.

Was ist das Wohnungsbauförderprogramm Vivienda promovida (Gesetz 18.795)?

Das 2011 verabschiedete Gesetz 18.795 schuf steuerliche Anreize, um private Investitionen in Wohnraum von sozialem Interesse zu fördern. Die ursprüngliche Idee: Bauträger errichten in gewachsenen Städten Wohnungen zu erschwinglichen Preisen und erhalten dafür erhebliche Steuerbefreiungen.

Der Mechanismus funktioniert so: Ein Projektentwickler reicht sein Projekt beim MVOT (Ministerio de Vivienda y Ordenamiento Territorial) und bei der ANV (Agencia Nacional de Vivienda) ein. Erfüllt es die Anforderungen an Lage, Wohnungstyp, Fläche und Preisobergrenzen, erhält es die „declaratoria promocional“, die offizielle Förderanerkennung. Diese Anerkennung ermöglicht die Steuervorteile sowohl für den Bauträger als auch für den Endkäufer.

Nicht jedes neue Gebäude fällt unter das Wohnungsbauförderprogramm. Das Projekt muss innerhalb der zugelassenen Gebiete liegen, deren Grenzen per Verordnung festgelegt werden, je nach Wohnungstyp Mindest- und Höchstflächen einhalten und die von der ANV regelmäßig festgelegten Obergrenzen für Verkaufs- und Mietpreise beachten.

Die Steuervorteile im Detail

Hier liegt der Kern der Regelung. Der geförderte Wohnungsbau bietet vier Steuervorteile, die zusammengenommen erhebliche Auswirkungen haben.

1. Befreiung von der ITP (Impuesto a las Transmisiones Patrimoniales, Steuer auf Vermögensübertragungen)

Der Erstverkauf einer geförderten Wohnung ist zu 100% von der ITP befreit. Diese Steuer beträgt für den Käufer normalerweise 2% des steuerlichen Immobilienwerts, hinzu kommen weitere 2% zulasten des Verkäufers; bei der ersten Veräußerung gilt die Befreiung für beide Parteien. Bei einer Wohnung für USD 120.000 sparen Sie dadurch USD 2.400.

Bedingung: Die Befreiung gilt ausschließlich für die erste Veräußerung, und zwar im Steuerjahr der Fertigstellung und in den neun folgenden Steuerjahren. Bei einem Weiterverkauf fällt für den zweiten Verkauf wieder regulär ITP an.

2. Befreiung der Mieteinkünfte von IRPF/IRAE

Wenn Sie die Wohnung vermieten, sind die daraus erzielten Einkünfte für 10 Steuerjahre von der IRPF für natürliche Personen beziehungsweise der IRAE für Unternehmen befreit. Die Befreiung beträgt in den meisten Fällen 60 %; 100 % gelten nur in vom MVOTMA festgelegten Gebieten oder bei Vermietung mit einer Garantie des FGA: Klären Sie den Umfang für die konkrete Wohnung, bevor Sie die Rendite kalkulieren. Die IRPF auf Vermietung beträgt 12% der Nettomieteinkünfte. Bei einer Wohnung mit monatlichen Mieteinnahmen von USD 700 (USD 8.400 jährlich) sparen Sie durch die Befreiung bei 60 % ungefähr USD 540-600 pro Jahr und in den Fällen mit 100 % etwa USD 900-1.000.

Bedingung: Der Mietvertrag muss eine Laufzeit von mindestens 12 Monaten haben und dauerhaftes Wohnen vorsehen. Kurzzeit- oder Ferienvermietungen erfüllen die Voraussetzungen nicht.

3. Befreiung von der Vermögensteuer

Die geförderte Immobilie ist für 10 Steuerjahre von der Vermögensteuer befreit. Diese Steuer erfasst das Vermögen natürlicher und juristischer Personen. Die Steuersätze richten sich nach der Kategorie des Steuerpflichtigen: 0,10% für ansässige natürliche Personen (auf das Vermögen oberhalb des Freibetrags von $6.653.000 im Jahr 2025), zwischen 0,7% und 1,5% für nicht ansässige natürliche Personen, die keine IRNR zahlen (nicht ansässige Personen, die ihre Immobilie vermieten, zahlen IRNR; für sie gelten 0,10% auf den Betrag oberhalb des Freibetrags), und 1,5% für juristische Personen. Für Anleger mit mehreren Immobilien ist diese Befreiung relevant.

Bedingung: Die Wohnung muss im betreffenden Steuerjahr mindestens 6 Monate vermietet gewesen sein.

4. Steuergutschrift für die IVA beim Bau

Der Projektentwickler kann sich die IVA erstatten lassen, die beim Erwerb von Waren und Dienstleistungen für das Bauvorhaben anfällt. Dadurch sinken die Baukosten, was theoretisch zu einem niedrigeren Verkaufspreis für den Käufer führt. Außerdem ist der Erstverkauf der geförderten Wohnung von der IVA befreit.

Übersicht der Steuervorteile

Vorteil Reguläre Steuer Steuerbefreiung bei VP Zeitraum Wesentliche Bedingung
ITP (Erstverkauf) 2% des steuerlichen Immobilienwerts 100% Bis zu 10 Jahre nach Fertigstellung Nur erste Veräußerung
IRPF/IRAE (Vermietung) 12% der Nettomieteinkünfte In der Regel teilweise; 100% nur in vom MVOTMA festgelegten Gebieten oder mit FGA-Garantie 10 Steuerjahre Vertragslaufzeit ≥ 12 Monate
Vermögensteuer 0,10%-1,5% je nach Kategorie 100% 10 Steuerjahre Vermietet ≥ 6 Monate/Jahr
IVA (Bau) 22% auf Vorleistungen Steuergutschrift + Befreiung beim Erstverkauf (1a) Während der Bauphase Projekt mit Förderanerkennung

Wichtig: Die Befreiungszeiträume werden anhand abgeschlossener Steuerjahre berechnet. Das Teiljahr, in dem der Bau fertiggestellt wird, zählt als erstes Steuerjahr.

Voraussetzungen für die Anerkennung eines Projekts als geförderter Wohnungsbau

Es reicht nicht, wenn der Bauträger sagt: „Das ist geförderter Wohnungsbau.“ Das Projekt muss ein formelles Verfahren durchlaufen:

  1. Lage innerhalb zugelassener Gebiete: Die Durchführungsverordnungen legen bestimmte geografische Gebiete fest, in denen geförderter Wohnungsbau zulässig ist. Dazu gehören Montevideo, Städte im Landesinneren und seit jüngerer Zeit auch Ciudad de la Costa in Canelones.
  2. Genehmigung des MVOT: Das Wohnungsbauministerium prüft, ob das Projekt die städtebaulichen Anforderungen sowie die Vorgaben zu Bewohnbarkeit und Fläche erfüllt.
  3. Förderanerkennung der ANV: Die Agencia Nacional de Vivienda stellt die Anerkennung aus, die den Zugang zu den Vorteilen ermöglicht. Ohne dieses Dokument gibt es keine Steuerbefreiung.
  4. Obergrenzen für Verkaufs- und Mietpreise: Die ANV veröffentlicht regelmäßig die Höchstwerte je Gebiet. Diese Obergrenzen unterscheiden sich nach Departamento, Stadtviertel und Wohnungstyp.
  5. Mindest- und Höchstflächen: Für jeden Wohnungstyp (Einzimmerwohnung, Wohnung mit 1 Schlafzimmer, Wohnung mit 2 Schlafzimmern usw.) gelten in den Vorschriften festgelegte Wohnflächenspannen.
  6. Eidesstattliche Erklärung gegenüber der ANV: Bei jedem Verkauf oder jeder Vermietung einer geförderten Wohnung muss der Bauträger dies der ANV durch eine eidesstattliche Erklärung melden.

Das Gesetz 18.795 verlangt von Käufern keine uruguayische Staatsangehörigkeit, um die Steuervorteile nutzen zu können. Die Steuerbefreiungen für ITP, IRPF und Vermögensteuer gelten automatisch für jede Wohnung mit Förderanerkennung, ohne zusätzliche Anforderungen an Einkommen oder Ersparnisse. Die Anforderungen an Einkommensnachweise, Beschäftigungsverlauf (BPS) und zuvor angesparte Mittel gehören zum „Programa Compra de Vivienda Promovida“ der ANV. Dabei handelt es sich um ein separates Programm für subventionierte Kredite; diese Anforderungen sind keine Voraussetzung für die Steuervorteile nach Gesetz 18.795.

Die tatsächlichen Zahlen des Förderprogramms

In mehr als einem Jahrzehnt seiner Geltung hat das Gesetz 18.795 in der uruguayischen Bauwirtschaft ein bisher beispielloses Aktivitätsvolumen ausgelöst. Die jüngsten Daten der ANV zeigen:

  • 2.196 eingereichte Projekte von 2011 bis 2025
  • 28.200+ fertiggestellte Wohnungen im ganzen Land
  • 24.053 eidesstattliche Verkaufserklärungen bei der ANV registriert
  • USD 3.000 Millionen mobilisierte Privatinvestitionen
  • 326 eingereichte Projekte allein 2025, ein historischer Rekord (32% mehr als die 246 aus 2024)

Von den 1.935 aktiven Projekten sind 60% kleine Vorhaben mit bis zu 20 Wohnungen, 24% mittelgroße mit 21-50 Wohnungen und nur 16% große mit mehr als 50 Wohnungen. Auf diese 296 großen Projekte entfallen jedoch 37.691 Wohnungen und damit mehr als 60% der Gesamtzahl.

Wo gebaut wird: die geografische Konzentration

Historisch war geförderter Wohnungsbau fast ausschließlich ein Phänomen Montevideos. Doch das ändert sich.

Montevideo: 80% des verkauften Bestands

Von insgesamt 24.053 eidesstattlichen Verkaufserklärungen entfallen mehr als 19.000 auf Montevideo, also 80%. Innerhalb der Hauptstadt ist die Konzentration auffällig:

  • Cordón: 26,4% der Verkäufe (mehr als 5.500 eidesstattliche Erklärungen, ANV-Bericht N° 50, Mai 2026). Damit ist Cordón mit Abstand das Viertel mit den meisten geförderten Wohnungen im Land.
  • Tres Cruces: 9,4%
  • Centro: 7,0%
  • Barrio Sur: 5,5%
  • Es folgen Larrañaga, Palermo, La Blanqueada und weitere zentrale Stadtviertel.

Auf die Küstenzone (Ciudad Vieja, Sur, Palermo, Centro, Cordón, Parque Rodó, Buceo, Pocitos, Malvín, Punta Gorda) entfallen 53% der Bauvorhaben in Montevideo.

Der Aufschwung von Canelones

Die wichtigste Entwicklung der letzten Jahre: Der Anteil von Canelones an den Projekten ist von 17% auf fast 28% gestiegen, hauptsächlich getragen von Ciudad de la Costa. Gleichzeitig sank der Anteil Montevideos von 82% im Jahr 2019 auf 56% im Jahr 2024.

Diese Verlagerung hat mehrere Ursachen: günstigere Grundstücke, größere zugelassene Baugebiete und eine wachsende Nachfrage junger Familien, die mehr Wohnfläche zu einem niedrigeren Preis suchen.

Ein Beispiel für diese räumliche Verteilung ist Altius Group mit rund zwanzig geförderten Projekten und Bauabschnitten von Tres Cruces und Cordón bis Ciudad de la Costa. Dort liegt More Botavara gegenüber den Seen. Informationen zur Unternehmensgeschichte und zu den zum Verkauf stehenden Gebäuden finden Sie auf der Seite von Altius Group.

Preise: geförderter Wohnungsbau im Vergleich zum regulären Markt

Eines der zentralen Argumente für das Förderprogramm lautet, dass geförderte Wohnungen günstiger sind als Immobilien auf dem regulären Markt. Die Daten bestätigen das, allerdings mit Einschränkungen.

Durchschnittlicher Preis pro m2

Segment Durchschnittlicher Preis in USD/m2 Quelle
Geförderter Wohnungsbau (landesweit) USD 2.387/m2 ANV, September 2025
Gesamtmarkt Montevideo USD 3.330/m2 Marktdurchschnitt 2025
VP Montevideo USD 2.349/m2 ANV, 2025
VP Canelones USD 2.845/m2 ANV, Bericht N° 50 (gleitender Jahreszeitraum bis April 2026)

Im Durchschnitt kosten geförderte Wohnungen pro Quadratmeter somit 28% weniger als Immobilien auf dem Gesamtmarkt. Doch Vorsicht: Dieser Unterschied erklärt sich teilweise durch die Wohnungstypen (viele Einzimmerwohnungen und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer, deren Preis pro m2 niedriger ist als bei großen Wohnungen) sowie durch die Lage (viele Projekte liegen außerhalb der Spitzenlagen).

Preise nach Wohnungstyp

Wohnungstyp Durchschnittspreis (USD)
Einzimmerwohnung USD 92.000
Wohnung mit 1 Schlafzimmer USD 118.758
Wohnung mit 2 Schlafzimmern USD 161.056
Wohnung mit 3 Schlafzimmern USD 217.794

Wenn Sie Preise nach Stadtviertel suchen: Bei Wohnungen liegt der Median in Cordón bei USD 2.857/m2, in Brazo Oriental bei USD 2.095/m2 und in Reducto bei USD 1.865/m2, laut Índice INGAR (Juni 2026). Die Unterschiede sind groß.

Das Problem der Einzimmerwohnungen

Dies ist der umstrittenste Punkt des Förderprogramms, und das aus gutem Grund.

Zwischen 2011 und 2017 machten Einzimmerwohnungen und Wohnungen mit 1 Schlafzimmer gerade einmal 1% der im Rahmen des Programms gebauten Wohnungen aus. Heute sind es 61%. Der Sprung erfolgte nach den Verordnungen von 2020, die die Regelung liberalisierten: Einzimmerwohnungen wurden ohne prozentuale Obergrenze zugelassen, Verkaufspreisobergrenzen abgeschafft und Flächen von bis zu 25 m2 erlaubt.

Für Bauträger ist die Rechnung einfach: Auf demselben Grundstück lassen sich mehr Einzimmerwohnungen als Wohnungen mit 2 Schlafzimmern unterbringen, jede lässt sich schnell an Anleger verkaufen, und die Marge pro gebautem m2 ist höher.

Für den Markt sind die Folgen sichtbar:

  • Überangebot in bestimmten Gebieten. In Cordón und Tres Cruces konzentrieren sich geförderte Einzimmerwohnungen, was die Mietpreise nach unten drückt.
  • Fragliche Wohneignung. Eine Einzimmerwohnung mit 25 m2 ist keine Wohnlösung für eine Familie. Stadtplaner und die ANV selbst haben darauf hingewiesen, dass das Gesetz Wohnungen fördern sollte, in denen Menschen tatsächlich leben, und nicht nur Anlageobjekte.
  • Unausgewogenes Angebot an Wohnungstypen. Familien, die 2 oder 3 Schlafzimmer suchen, finden weniger geförderte Angebote, obwohl das Gesetz gerade dieses Segment fördern wollte.

Der Markt hat bereits begonnen, sich anzupassen: In den letzten Quartalen haben einige Bauträger angesichts von Sättigungssignalen den Anteil der Einzimmerwohnungen von sich aus reduziert. Doch auch eine Anpassung der Vorschriften ist auf dem Weg.

Die Debatte 2025-2026: Reformen stehen bevor

Die neue Regierung trat 2025 ihr Amt an und machte den geförderten Wohnungsbau zu einem zentralen Thema ihrer Wohnungspolitik. Der Fünfjahresplan 2025-2029 des MVOT sieht eine Überprüfung des Förderprogramms vor. Mehrere Änderungen stehen zur Diskussion:

Vorgeschlagene Reformen

  1. Verpflichtende Quoten für Wohnungen mit 2 und 3 Schlafzimmern. Ein Mindestanteil jedes Projekts soll aus Wohnungen mit 2 oder mehr Schlafzimmern bestehen, um die Konzentration auf Einzimmerwohnungen umzukehren.
  2. Wiedereinführung von Preisobergrenzen. Die Verordnungen von 2020 hatten die Verkaufspreisobergrenzen abgeschafft. Diskutiert wird ihre Wiedereinführung, gestaffelt nach Gebiet und Einkommen des Käufers.
  3. Ausschluss luxuriöser Gemeinschaftseinrichtungen. Pools, hochwertige Fitnessräume und andere Gemeinschaftseinrichtungen erhöhen das Hausgeld, ohne Wohnraum erschwinglicher zu machen. Geprüft wird, sie vom Förderprogramm auszuschließen oder ihren Anteil an den Projektkosten zu begrenzen.
  4. Einschränkung der Vorteile in Küstengebieten. Die zugelassenen Gebiete in Ciudad de la Costa und Punta del Este sollen angepasst werden, da dort das Verhältnis von Risiko und Rendite für Bauträger günstiger und die Notwendigkeit staatlicher Förderung umstritten ist.
  5. Gesonderte Regelung für das Landesinnere. Für Departamentos mit geringerer Immobilienentwicklung sollen stärkere Anreize geschaffen werden, einschließlich subventionierter Kredite.

Der grundlegende Konflikt

Initiativen aus Stadtplanung und Wohnungswesen argumentieren, dass das Förderprogramm in seiner Ausgestaltung zwischen 2020 und 2024 Grundstücke verteuert, kleine Wohnungstypen zur Renditemaximierung begünstigt und Wohnraum tatsächlich nicht erschwinglicher macht. Auf der anderen Seite warnen die Bauwirtschaft und die Unternehmensverbände, dass strengere Regeln die Investitionen gerade in einer Phase mit Rekordaktivität bremsen könnten.

2025 legte ein Senator des Frente Amplio einen Gesetzentwurf vor, um den Bau geförderter Einzimmerwohnungen zu begrenzen. Dies löste eine heftige Debatte mit der Privatwirtschaft aus. Die Diskussion ist 2026 weiterhin offen, und Anleger sollten sie aufmerksam verfolgen.

Aus Anlegersicht: die tatsächliche Rendite

Diese Analyse ist entscheidend, wenn Sie eine geförderte Wohnung zur Vermietung kaufen möchten.

Brutto- und Nettorendite im Vergleich

In etablierten Stadtvierteln Montevideos liegt die Bruttomietrendite in Dollar bei rund 5%-6% jährlich. Die Nettorendite nach Abzug von Hausgeld, Leerstand, Verwaltung und Steuern sinkt bei einer Immobilie auf dem regulären Markt jedoch auf 3,5%-4%.

Hier macht der geförderte Wohnungsbau den Unterschied: Die Befreiungen von der IRPF (12% auf die Mieteinkünfte) und der Vermögensteuer (0,10%-1,5%) bringen zusammen zwischen 1,5 und 2 zusätzliche Prozentpunkte Nettorendite. Anleger in geförderte Wohnungen können Nettorenditen von 5%-6% und in manchen Fällen bis zu 7% während der 10 Jahre der Steuerbefreiung erwarten.

Vereinfachtes Rechenbeispiel

Position Bestandsimmobilie (regulärer Markt) VP (mit Steuerbefreiungen)
Kaufpreis USD 130.000 USD 120.000
Monatliche Miete USD 650 USD 600
Jährliche Bruttomiete USD 7.800 USD 7.200
Leerstand (1 Monat/Jahr) -USD 650 -USD 600
Hausgeld (Eigentümeranteil) -USD 1.200 -USD 1.800*
Verwaltung (8%) -USD 624 -USD 576
IRPF auf Vermietung (12%) -USD 639 USD 0 (steuerbefreit)
Vermögensteuer -USD 500 USD 0 (steuerbefreit)
Jährlicher Nettoertrag USD 4.187 USD 4.224
Nettorendite 3,2% 3,5%

*Das Hausgeld in neuen geförderten Gebäuden mit Gemeinschaftseinrichtungen ist häufig höher. Diesen Punkt verschweigen viele Verkäufer.

Der Unterschied vergrößert sich bei teureren Wohnungen oder bei Anlegern mit hohem Vermögen (da sich die Befreiung von der Vermögensteuer dann stärker auswirkt). Er verringert sich, wenn das Hausgeld im Neubau erheblich höher ist als in einem herkömmlichen Gebäude.

Eine ausführlichere Berechnung finden Sie in unserem Leitfaden zur Mietrendite in Montevideo nach Gebiet.

Aus Sicht von Käufern, die selbst einziehen möchten

Wenn Sie die Wohnung nicht als Kapitalanlage kaufen, sondern selbst darin wohnen möchten, sieht die Rechnung anders aus:

Vorteile:

  • Niedrigerer Preis pro m2 als auf dem regulären Markt (durchschnittlich 28% günstiger).
  • Neues Gebäude mit Baugarantien und zeitgemäßem Ausbau.
  • Befreiung von der ITP beim Kauf (Sie sparen ~2% des Werts).
  • Zugang zum Fondo de Garantía de Créditos Hipotecarios (FGCH), der die Finanzierung erleichtert.

Nachteile:

  • Kleinere Wohnungen als im Marktdurchschnitt (insbesondere bei Einzimmerwohnungen oder Wohnungen mit 1 Schlafzimmer).
  • Möglicherweise höheres Hausgeld (für Gemeinschaftseinrichtungen, die Sie nicht verlangt haben, aber mitbezahlen).
  • Einschränkungen: Wenn Sie vor Ablauf von 10 Jahren verkaufen und die Wohnung nicht dauerhaft zum Wohnen genutzt wurde, können Sie Vorteile verlieren.
  • Konzentration auf bestimmte Lagen. Wenn sich Ihr Leben in einem anderen Stadtviertel abspielt, kann das Angebot geförderter Wohnungen für Sie ungeeignet sein.
  • Keine Befreiung von IRPF und Vermögensteuer, da Sie nicht vermieten; Sie profitieren nur bei der ITP.

Unterschätzte Risiken

In Verkaufsprospekten werden Sie das nicht lesen, doch es ist relevant:

  • Lokales Überangebot. Wenn in Cordón 15 Gebäude mit geförderten Einzimmerwohnungen innerhalb von 10 Straßenblöcken stehen, ist der Wettbewerb um Mieter hart. Das drückt die Mieten und erhöht den Leerstand.
  • Hohes Hausgeld. Pool, Fitnessraum, gemeinschaftlicher Grillbereich, 24h-Pförtnerdienst. Solange die Wohnung vermietet ist, trägt der Mieter diese Mehrkosten. In jedem Leerstandsmonat treffen sie jedoch Sie; außerdem verkleinern sie den Kreis möglicher Mieter. In manchen geförderten Gebäuden übersteigt das Hausgeld USD 200/Monat und schmälert die Rendite.
  • Qualität des Ausbaus. Der niedrige Preis geht mit Abstrichen einher. Bei manchen geförderten Bauvorhaben wird am Ausbau gespart, was frühzeitig zu Reklamationen und Instandhaltungskosten führt.
  • Regulatorisches Risiko. Ändert die Regierung die Regeln zu Obergrenzen, Gebieten oder Wohnungstypen, können laufende Projekte betroffen sein. Das ist 2026 angesichts der diskutierten Reformen besonders relevant.
  • Liquidität beim Wiederverkauf. Nach 10 Jahren, wenn die Steuerbefreiungen enden, konkurriert Ihre Wohnung mit neuen geförderten Wohnungen, die diese Vorteile noch haben. Das kann den Wiederverkaufspreis beeinträchtigen.
  • Abhängigkeit von der Förderanerkennung. Hat der Bauträger die Verfahren bei der ANV nicht ordnungsgemäß abgeschlossen, gelten die Vorteile möglicherweise nicht. Verlangen Sie vor der Unterschrift immer die Förderanerkennung.

Checkliste vor dem Kauf oder einer Investition in geförderte Wohnungen

Diese Fragen sollten Sie beantworten, bevor Sie weitere Schritte unternehmen:

Zum Projekt

  • Liegt die Förderanerkennung der ANV vor? Fordern Sie sie an.
  • Welche Durchführungsverordnung bildet die Grundlage für das Projekt?
  • Ab wann werden die 10 Jahre der Steuerbefreiung gerechnet?
  • Wie hoch ist der Anteil der Einzimmerwohnungen im Vergleich zu Wohnungen mit 2 bzw. 3 Schlafzimmern?
  • Wie hoch ist das geschätzte Hausgeld, sobald das Gebäude in Betrieb ist?

Zu den Zahlen

  • Erstellen Sie eine Tabelle mit der erwarteten Miete für ein konservatives, ein Basis- und ein optimistisches Szenario.
  • Schätzen Sie den tatsächlichen Leerstand: mindestens 1 Monat/Jahr.
  • Berücksichtigen Sie Verwaltung, Versicherungen, kleinere Reparaturen und die von Ihnen zu tragenden Gemeinschaftskosten (bei Leerstand sowie außerordentliche Kosten).
  • Berechnen Sie die Nettorendite, nicht die Bruttorendite, die Ihnen der Verkäufer zeigt.
  • Rechnen Sie ein Wiederverkaufsszenario nach 10 Jahren durch: Zu welchem Preis verkaufen Sie, wenn die Steuerbefreiungen enden?
  • Lassen Sie sich vor der Unterschrift von einem uruguayischen Notar und einem Steuerberater beraten. Für die Steuerbefreiungen gelten bestimmte Bedingungen, die je nach Fall unterschiedlich sind.
  • Prüfen Sie, ob der Kaufvertrag die entsprechenden Klauseln zum geförderten Wohnungsbau enthält.
  • Wenn Sie zur Vermietung kaufen, stellen Sie sicher, dass der Mietvertrag die Anforderungen erfüllt (mindestens 12 Monate Laufzeit, dauerhaftes Wohnen).

Was 2026 zu erwarten ist

Das Wohnungsbauförderprogramm wird nicht verschwinden. Dafür ist es für die Bauwirtschaft und das Wohnungsangebot zu wichtig. Es wird sich jedoch verändern.

Die Signale deuten auf eine enger gefasste Regelung hin: weniger Freiheit, ausschließlich Einzimmerwohnungen zu bauen, eine mögliche Wiedereinführung von Preisobergrenzen und eine Überprüfung der Gebiete, in denen Vorteile gewährt werden. Für Anleger kann das weniger Auswahl, aber eine höhere Wohnqualität bedeuten. Für Endkäufer möglicherweise ein größeres Angebot an Wohnungen mit 2 und 3 Schlafzimmern zu erschwinglichen Preisen.

Wenn Sie derzeit den Kauf einer geförderten Wohnung erwägen, ist die Empfehlung einfach: Beeilen Sie sich nicht, um „noch vor einer Regeländerung zu profitieren“. Investieren Sie, wenn die Rechnung mit Ihren Annahmen aufgeht, nicht mit denen des Verkäufers. Und wenn die Rechnung ohne Steuerbefreiungen nicht aufgeht, tut sie das wahrscheinlich auch mit ihnen nicht.

Quellen

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